Der tragische König der Operette
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 Paul Abraham Archiv: Die Schallplatten
Ungarische Platte zielt auf internationalen Markt: Abraham-Kenner Miklós Königer aus Berlin sandte der Abraham-Webseite die Abbildungen einer Plattenhülle. Er hatte diese samt zugehöriger LP in Ungarn auf dem Flohmarkt entdeckt. Es handelt sich um die Aufnahme von Abraham- Liedern aus verschiedenen Operetten mit dem ungarischen Radio- und Fernseh-Orchester unter Leitung von Tamás Bródy und bekannten ungarischen Interpreten. Interessant ist im Hinblick auf das Entstehungsjahr 1984 die internationale Ausrichtung: Die Inhaltsangabe auf der Rückseite wurde in vier Sprachen (Ungarisch, Englisch, Deutsch und Russisch) abgedruckt.   Dieselbe LP wurde auch als rein ungarisch „verpackte“ LP veröffentlicht. Auf dem Etikett der in-nenliegenden LP allerdings werden die Titel auf Englisch aufgeführt… Auf der Platte gibt es für deutsche Ohren eine kleine Überraschung. Das Lied „Kicsike Vigyázzon“ (dt.: Kleine passen Sie auf) aus Abrahams erster Operette Zenebona entpuppt sich von der Melodie her als „Es ist so schön am Abend bummeln zu geh‘n“ aus Ball im Savoy - Paul Abraham hat diese Melodie für seine Berliner Erfolgsoperette „recycelt“. Übrigens hat die Operette Zenebona auf der Platte den deutschen Titel „Sang und Klang“ und wird auf Englisch als „Hullabaloo“ betitelt.
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Das wirft Fragen auf: Schellackplatte von 1941 mit Paul-Abraham-Lied Känguruh, gesungen von Iska Geri Im Dezember 1932 wurde Paul Abrahams Operette „Ball im Savoy“ in Berlin uraufgeführt. Kurz danach musste der Komponist emigrieren, seine Werke wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Umso erstaunlicher, dass das Lied „Känguruh“ aus dieser Operette im Dritten Reich überleben konnte. Die Sängerin und Parodistin Iska Geri machte die Melodie, inklusive des Textes der ebenfalls verbotenen Dichter Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda, zu ihrer Erkennungsmelodie und nahm sie sogar 1941 auf Platte auf! Natürlich ohne die Namen der Schöpfer zu nennen, sondern unter dem Urheber-Pseudonym „Gustav Thorlichen“. Nun gab es in der Tat einen Deutschen namens „Gustav Thorlichen“, der allerdings bereits 1933 vor den neuen Machthabern nach Argentinien geflohen war und dort unter dem Namen Gustavo Thorlichen als Fotograf und bildender Künstler erfolgreich wurde. Ein von ihm verfasster Bildband über Argentinien wurde nach dem Krieg mit einem Vorwort von Jorge Luis Borges veröffentlicht, was seinen Rang verdeutlicht. Eher unwahrschein- lich, dass er von der Verwendung seines Namens auf der Schallplatte wusste. Genauso unwahrscheinlich erscheint, dass es eine weitere Person dieses Namens gab. Vielleicht weiß ja ein Leser dieser Zeilen mehr und berichtet sein Wissen an den Herausgeber. Hier können Sie Iska Geri mit „Känguruh“ bei YouTube hören. Erstaunlich ist übrigens auch, dass die Operette „Viktoria und ihr Husar“ am 10. April 1944 (!) im faschistischen Italien aufgeführt werden konnte - allerdings nur, weil der Name des Komponisten verschwiegen und durch das Pseudonym „Haios“ ersetzt wurde. Die Aufführung unter dem Namen „Vittoria el il suo ussaro“ ist für den 10.4.1944 durch die „Compagnia di operette Lombardia“ dokumentiert.